Bhutan, im Land der Donnerdrachen

Bhutan ist das letzte unabhängige buddhistische Land im Himalaya. Es ist mit 46500km2 etwa so gross wie die Schweiz. 80% des Landes liegt über 2000m. Treppenartig steigt das Land von nur 300m im Süden kontinuierlich an, bis zum 7541m hohen Gangkhar Puensum, einem der höchsten Berge von Bhutan an der Grenze zu Tibet. Mindestens drei Tage braucht es noch Heute, um das Land zu durchqueren. Die Natur Bhutans ist nicht nur durch seine gewaltige Bergwelt mit zerklüfteten Tälern, bewaldeten Hängen und schneebedeckten Gipfeln geprägt, sondern auch durch seine heiligen Bauten, den prachtvollen Dzongs Festungen, Lhakhangs Tempel, Chorten Sakralbauten und Gompas Klöster. Eine jahrhunderte alte Tradition und Einzigartigkeit konnte sich hier erhalten.

Meine Reise durch Bhutan

Auf über 3800m Höhe führt mich der Weg durch eines der letzten Paradise dieser Erde, durch das Land der Donnerdurch, durch Bhutan. Das Land wird durch seine atemberaubende Landschaft und seine friedvolle Religion geprägt. Abenteuerlich sind die Fahrten von einem Tal ins nächste, denn die Strassen sind sehr schmal und winden sich in vielen Kurven den Berghängen entlang.

Meine Reise führt mich von Süden von der Grenze von Indien über Phuentsholing in die Hauptstadt von Bhutan nach Thimphu. Von dort geht die Fahrt quer durch das Land zur mächtigen Burg, dem Dzong von Trongsa. Im Bumthangtal hatte ich das unglaubliche Glück, den Tanz der Schwarzhutmagier, ein Klosterfest der Mönche, miterleben und fotografieren zu dürfen. Zurück geht es über hohe Pässe nach Punakha, mit einem Abstecher ins Tal der Kraniche, Phujika, wo die seltenen Schwarzhalskraniche überwintern. Von dort führt die Reise nach Haa und Paro, wo der Besuch des in schwindelerregender Höhe am Felsen klebende Kloster Taktsang, dem Tigernest, nicht fehlen durfte.

Die Bhutaner praktizieren den aus Tibet stammenden tantrischen Buddhismus mit Hingabe und beziehen ihn in ihren Alltag mit ein. Sie sind tolz auf ihre Kultur und Bräuche. Sie leben in grossen Familien und sind nicht reich, aber Hungersnöte gibt es keine. Sie sind daran gewöhnt hart zu Arbeiten und das Land gibt ihnen alles, was es zum Leben braucht. Für mich als Fotografin ist das Land ein wahrer Traum. Die wunderschöne Landschaft gibt je nach Tageszeit, Wetterlage und natürlich der Höhe wandelnde Motive, die Menschen sind überaus freundlich und lassen mich an ihrer Kultur teilhaben.

Die Klöster und Roben der Mönche geben einen reizvollen Kontrast und nie weiss ich, was sich hinter der nächsten Kurve oder dem nächsten Pass verbirgt, so bleibt mir die Begegnung mit einem seltenen und scheuen Takin mitten in der Natur in bester Erinnerung.

Die Mönche sind der Kern der buddhistischen Lehre. Ohne weltliche Sorgen können Sie ihre ganze Energie und Zeit dem Studium und der Meditation widmen. Etwa 6000 Mönche leben in den örtlichen Dzongs in ganz Bhutan, die der Drukpa oder der Nyingmapa Schule angehören. Ab einem Alter von 5 Jahren kann ein Kind ins Kloster eintreten und bekommt dadurch eine gesicherte Zukunft und eine gute Ausbildung. Der Familie verschafft dies zudem ein grosses Ansehen und eine Anhäufung gutes Karma.

Die Häuser sind wie überall in Bhutan in traditionellem Stil gebaut und mit religiösen Symbolen bemalt. Aufgrund eines königlichen Erlasses müssen alle Häuser einen bhutanesischen Baustil aufweisen. Zudem ist vorgeschrieben, dass in der Schule, in staatlichen und religiösen Gebäuden und zu traditionellen Festen, Frauen die Kira und Männer den Gho tragen müssen. Doch auch im Alltag wird die Landestracht mit Stolz angezogen.

Der Pass Cheli La befindet sich auf 3988m Höhe. Von hier aus gibt es einen traumhaften Blick auf die Bergkette des Himalayas und den 7320m hohen heiligen Jhomolhari, der Herrin der Götterberge, der an der Grenze zu Tibet steht. Die mit ewigem Schnee bedeckten Gipfel sind die Wohnstätten der Götter, die gleichzeitig barmherzig oder zürnend sein können. Somit ist den Reisenden bei einer Passüberquerung daran gelegen, die Götter gütig zu stimmen. Auf jedem Pass stehen hunderte von Gebetsfahnen um Frieden, Mitgefühl und Weisheit zu fördern. Ich habe folgende Pässe überquert: den Pass Dochu La 3050m, Pele La 3300m, Lowa La ins Phobjikha Tal 3360m, und den Yutong La 3400m und den höchsten Pass von Bhutan, den den Cheli La 3988 m

Rote Chilis sind überall zum trocknen ausgelegt, denn diese sind der Hauptbestandteil des Nationalgerichts Ema Datshi, das aus Chilischoten und Yak-Käse besteht. Das Gericht ist sehr scharf und wird traditionell mit rotem Reis serviert. Ich habe natürlich auch jeden Tage ein wenig davon gegessen, denn es ist in jedem Restaurant erhältlich und die Bhutanesen freuen sich immer, ein wenig davon anbieten zu können. Liber hatte ich aber Momos, das sind Teigtaschen, die ursprünglich aus Tibet stammten. Auch Fleisch vom Yak wird gegessen. Um dieses länger haltbar zu machen, wird es an der Sonne getrocknet.

Vorbereitungen für das Klosterfest

1000 kleine Butterfiguren, sogenannte Tormas, werden von jungen Novizen des Kurje Lhakhang für eine Zeremonie geformt. Ein älterer Mönch überwacht die Arbeit. Die geformten Figuren aus der zähen Buttermasse werden mit Holzelementen verziert und bemalt. Die Mönche verwenden sie für rituelle Zwecke und zur Beschwichtigung böser Geister. Ebenfalls aus Butter bestehen die Kerzen, die in einem speziellen Häuschen neben dem Lhakhang als Opfergaben angezündet werden.

Tanz des Schwarzhutmagiers

Unter lautem Pfeifen und Trompeten verlassen die Mönche den Innenhof des Lhodrakarchu Klosters, das oberhalb des Dorfes Chamkhar im Bhumtangtal liegt. Hier leben und studieren bis zu 250 Mönche. Der Shanag, der Tanz der Schwarzhutmagier, ist eine spektakuläre Darbietung. Der Tänzer stellt einen Tantriker mit übernatürlichen Kräften dar, der die bösen Geister vertreibt und den Platz mit seinem stampfen reinigt. Der Höhepunkt der Zeremonie ist sicher das Anzünden des Holzstapels, der sofort in lichterlohe Flammen aufgeht. Um Schaden zu verhindern, steht ein Mönch mit einem Wasserschlauch bereit. Mir wird aber nun klar, weshalb in den letzten Jahrhunderten schon so viele Dzongs in Bhutan abgebrannt sind... Doch das dies hier auch für die Mönche ein Fest und ein Ausbruch aus dem Alltag ist, wird schnell ersichtlich. Es wird mit den jüngeren Novizen gescherzt und manch einer lässt Knallfrösche los, welche die Besucher erschrecken und lautes Gelächter verursachen. Als sich das Feuer gelegt hat, verschiebt sich die Zeremonie in den Innenhof des Klosters. Beim folgenden
Tanz im Kreis drehen die Mönche ihren gelben Hut um. Sie zeigen damit, dass das Ritual vollführt worden ist.

Die kleinste Hauptstadt der Welt

Obwohl Thimphu die kleinste Hauptstadt der Welt ist, steht die Welt hier nicht still. Auch Geschäfte, Schulen, Museen und einen Fussballplatz mit Kunstrasen gibt es und immer noch ist vieles am Entstehen. Erst im Jahr 1962 erreicht das erste Auto Thimphu. Heute gibt es vor der Stadt sogar ein Autobahnstück mit getrennten Fahrspuren, doch eine Ampel sucht man hier vergeblich. Noch immer regelt ein Polizist den Verkehr mitten in der Stadt.

Die Reisenden und Pilger werden auf ihren Wegen durch die Mantras der Gebetsfahnen begleitet. Auf ihnen steht unter anderem das Mantra:
Mögen alle Wesen Glück und Frieden erleben. Möge jenseits der Vergänglichkeit die ewige Natur des Geistes scheinen wie die Sonne, nachdem die Wolken vom Wind zerstreut worden sind. Möge alles Leiden der Daseinsbereiche beendet und der Frieden des Nirvana erlangt werden.

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